Die Wahl der Begrünungsart ist keine gestalterische, sondern eine statische und pflegerische Entscheidung. Das System bestimmt, welche Last die Wand trägt, welche Anschlüsse bis zur Fassade geführt werden müssen, wie oft jemand zur Pflege hinaufmuss und wie lange es hält. Zwei Fassaden, die am Übergabetag gleich aussehen, können sich im dritten Sommer völlig unterschiedlich verhalten.
Die Fachliteratur unterscheidet zunächst zwei Grundtypen — bodengebunden und wandgebunden —, und innerhalb der wandgebundenen Systeme mehrere Bauweisen. Das ist die Gliederung, die in der Planung wirklich trägt.
Bodengebunden oder wandgebunden
Bodengebundene Begrünung: Kletterpflanzen an Rankhilfen
Die Pflanzen wurzeln im Erdreich oder in Pflanzgefäßen am Fassadenfuß und wachsen an Seilen, Gittern oder Netzen empor. Es ist die günstigste Variante und die mit der geringsten Wandlast, weil das Gewicht der Boden trägt und nicht die Gebäudehülle.
Dafür dauert die vollständige Deckung Jahre, die erreichbare Höhe ist begrenzt und die Artenauswahl beschränkt sich auf Kletterpflanzen. Man gestaltet damit nicht mit Pflanzen — man lässt Pflanzen zuwachsen.
Wandgebundene Begrünung: das System trägt die Vegetation
Hier wächst die Vegetation in einem an der Wand befestigten System, versorgt über automatisierte Bewässerung. Deckung ab dem ersten Tag, nahezu freie Artenwahl und die Möglichkeit, das Pflanzbild gezielt zu entwerfen. Der Preis dafür: berechnete Unterkonstruktion, Wasseranschluss, Strom für die Steuerung und ein von Anfang an eingeplanter Wartungszugang.
Die wandgebundenen Bauweisen im Einzelnen
1. Modulsysteme mit Textilträger
Die Pflanzen wachsen in Taschen oder Kammern eines mehrschichtigen Textilträgers auf einer verankerten Unterkonstruktion, mit Tropfbewässerung. Das ist der professionelle Standard an der Fassade und im Innenraum. Es ist die Technologie, mit der wir arbeiten: das Fytotextile®-System.
2. Hydroponische Systeme ohne Substrat
Die Wurzeln entwickeln sich auf einem inerten Träger, die gesamte Nährstoffversorgung kommt gelöst im Bewässerungswasser. Das senkt das Gewicht und erlaubt eine sehr feine Steuerung der Nährstoffgabe, macht aber vollständig von der Bewässerung abhängig: Ein längerer Ausfall lässt keinen Spielraum, weil kein Substrat eine Reserve hält.
3. Modulare Trog- und Topfsysteme
Kunststoffmodule mit Substrat, an einer Unterkonstruktion befestigt. Einfach zu montieren und stückweise zu ersetzen, was sie auf kleinen Flächen bequem macht. Dafür bleibt das Modulraster oft zwischen der Vegetation sichtbar, das Substratvolumen je Pflanze ist begrenzt, und im Außenbereich altert exponierter Kunststoff.
4. Freistehende Systeme ohne Eingriff in die Wand
Wenn die Wand nicht angetastet werden kann oder soll — Mietflächen, denkmalgeschützte Gebäude, temporäre Ausbauten —, gibt es Systeme ganz ohne Verankerung: beidseitig bepflanzte Raumteiler mit integriertem Tank und geschlossenem Bewässerungskreislauf, oder gerahmte Paneele als lebendes Wandbild. Nötig sind nur ausreichend Licht und eine Steckdose.
Das ist die Kategorie von Fytoscreen®, beidseitig bepflanzten freistehenden Stellwänden, und Slimgreenwall®, integriert in einen Rahmen aus Glasfaser. Beide auf Basis der Fytotextile®-Technologie, beide ohne Baumaßnahmen.
5. Künstliche Begrünung und konserviertes Moos
Erwähnenswert, weil sie einen großen Marktanteil halten — und klar zu benennen: Es sind keine Begrünungen, sondern dekorative Bekleidungen. Keine Bewässerung, keine Vegetationspflege, und keine der Wirkungen, die eine Fassadenbegrünung technisch begründen: Verdunstungskühlung, Temperaturregulierung, Feinstaubbindung, Biodiversität. Eine brauchbare Lösung, wenn ein grünes Finish ohne Technik gefragt ist; die falsche, wenn das Projekt bauphysikalische Wirkung sucht.
Die fünf Kriterien, die entscheiden
- Lage: außen oder innen, und die Ausrichtung. Sie bestimmt die Artenwahl vor allem anderen und zwingt im Innenraum zur Frage der Zusatzbeleuchtung.
- Last auf dem Untergrund: immer im wassergesättigten Zustand gerechnet. Im Bestand ist das meist das Kriterium, das Optionen ausschließt, bevor irgendetwas beginnt.
- Verfügbare Anschlüsse: ob Wasser, Entwässerung und Strom die Wand erreichen. Das trennt das verankerte vom freistehenden System.
- Wartungszugang: eine Fassade, die nur per Hubarbeitsbühne erreichbar ist, kostet über die gesamte Nutzungsdauer. Das entscheidet sich im Entwurf.
- Nutzungsdauer und Gesamtkosten: nicht der Einbaupreis, sondern Einbau plus Wasser, Nachpflanzung und Pflege über die Jahre. Mehr dazu unter Fassadenbegrünung Kosten.
Wie das gewählte System zeichnerisch aufgelöst wird, steht im Detail der Fassadenbegrünung. Für den Innenbereich siehe Wandbegrünung innen.
Häufige Fragen
Welche Arten der Fassadenbegrünung gibt es?
Grundsätzlich bodengebundene Begrünung mit Kletterpflanzen an Rankhilfen und wandgebundene Systeme. Innerhalb der wandgebundenen: Modulsysteme mit Textilträger, hydroponische Systeme ohne Substrat, modulare Trog- und Topfsysteme sowie freistehende Systeme ohne Eingriff in die Wand.
Was ist der Unterschied zwischen bodengebunden und wandgebunden?
Bei bodengebundener Begrünung wurzeln die Pflanzen im Erdreich und die Last liegt beim Boden; die Deckung braucht Jahre. Bei wandgebundener Begrünung trägt das System selbst die Vegetation, die Fläche ist sofort grün, dafür sind Unterkonstruktion, Bewässerung und Wartungszugang erforderlich.
Geht Fassadenbegrünung auch ohne Baumaßnahmen?
Im Innenbereich ja, mit freistehenden Systemen: bepflanzte Stellwände oder gerahmte Paneele mit geschlossenem Bewässerungskreislauf. Sie brauchen ausreichend Licht und eine Steckdose und sind der übliche Weg in Mietflächen oder Gebäuden mit Eingriffsbeschränkungen.
Wie lange hält eine Fassadenbegrünung?
Das hängt weit mehr von Pflege und Erreichbarkeit ab als vom System. Ein passend gewähltes System mit kontrollierter Bewässerung und einem tatsächlich eingehaltenen Pflegekonzept wird in Teilen erneuert und hat kein Ablaufdatum; eines, das niemand erreicht, verfällt schnell — gleich welcher Bauart.
Unklar, welche Bauart zu Ihrem Projekt passt? Unsere technische Beratung prüft Untergrund, verfügbare Anschlüsse und vorgesehene Pflege und schlägt das passende System vor. Sprechen Sie uns an.


